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  • sandrajoerimann

Transkription ist nicht gleich Transkription

Aktualisiert: Feb 16

- welche Fragen Du Dir schon im Vorfeld stellen solltest!


Bevor Du eine Transkription erstellst oder in Auftrag gibst, solltest Du Dir schon im Vorfeld sehr genau darüber im Klaren sein, wofür Du die Transkription später verwenden willst bzw. ob sie allenfalls mehreren Zwecken dienen soll, und welche Kanäle Du mit dem Endprodukt bedienen willst. Je nach Verwendungszweck kann sich eine Transkription aufwändiger gestalten als gedacht, weil nonverbale Ausdrücke aufgenommen oder Sätze vereinfacht werden müssen.


Ist der Verwendungszweck nicht von Anfang an klar, kann der Aufwand schlussendlich viel grösser sein als nötig, und im schlimmsten Fall muss eine Transkription nochmals komplett neu gemacht werden, weil sie ihren Zweck verfehlt hat. Wenn man z.B. ein Interview für einen Artikel schreibt, kann es fatal sein, wenn eine Aussage, die eigentlich sarkastisch gemeint war, nicht als solche verstanden wurde. Dies kann vor allem dann zum Problem werden, wenn für das Verfassen des Artikels eine andere Person zuständig ist als für die Transkription. So sollten deshalb nonverbale Ereignisse, wie z.B. ein kurzes Lächeln oder Zögern, mittranskribiert werden.

Gerade in der Forschung gibt es zudem Vorgaben oder Einschränkungen bzgl. Methodik oder Erkenntniserwartung. Ist es wichtig, Tonhöhe und Lautstärke festzuhalten? Müssen Dialekte so dastehen, wie sie gesprochen werden?


Im Folgenden stelle ich Dir verschiedene Herangehensweisen und Regeln der Transkription vor.


Einfache Regeln


Mithilfe der einfachen Regeln der inhaltlich-semantischen Transkription wird eine genaue Transkription des gesprochenen Wortes erzielt. Es wird wörtlich transkribiert. Du konzentrierst Dich auf den Inhalt, ohne die Grammatik des Gesagten zu verändern. Das heisst auch, Fehler in der Grammatik oder im Satzbau werden nicht korrigiert. Der Fokus liegt auf guter Lesbarkeit und kurzer Umsetzungsdauer. Es werden wenig Angaben zu para- und nonverbalen Ereignissen gemacht. Dialekt und Umgangssprache werden geglättet, Wortfetzen weggelassen, Sätze möglichst fliessend wiedergegeben, ohne den Wortlaut des Satzes zu verändern, Wortdoppelungen nur erfasst, wenn sie als Stilmittel genutzt werden.


Die genauen Regeln für eine einfache inhaltlich-semantische Transkription nach Dresing und Pehl 2018 findest Du hier.



Erweiterte Transkription


Die erweiterten Regeln erlauben eine wissenschaftliche Analyse des Gesagten. Diese Art der Transkription ist sehr viel detailorientierter und die Art und Weise, wie etwas gesagt wurde, steht im Mittelpunkt. Hier werden auch zögerliche Antworten, Wortdoppelungen, Satz- und Wortabbrüche, Pausen, Fülllaute und Verständnissignale wiedergegeben. Dies dient dazu, Emotionen oder nonverbale Hinweise zu erfassen und kann dadurch helfen, Fehlschlüsse zu vermeiden. Wenn Du beispielsweise einen Geschäftsführer fragst, ob er im nächsten Jahr Stellen streichen werde, er zehn Sekunden überlegt und leise «Nee» sagt, und im Transkript nur «Nein» steht, lässt dies eine andere Deutung zu, als wenn Du z.B. die Pausenlänge transkribiert hättest.


Die genauen Regeln für eine erweiterte inhaltlich-semantische Transkription nach Dresing und Pehl 2018 findest Du hier.



Transkription für Untertitel


Für die Erstellung von Untertiteln gibt es zwei Möglichkeiten:


- Entweder, Du transkribierst den tatsächlichen Inhalt des Untertitels. Hier solltest Du darauf achten, dass die einzelnen Sätze nicht zu lang werden und der Sprachfluss für den Leser gewährleistet ist. Das heisst, Wortwiederholungen ohne stilistischen Grund werden weggelassen. Verben werden, wo möglich, so umgewandelt, dass sie zu Anfang des Satzes stehen und der Satz dadurch für den Leser einfacher zu erfassen ist, im Gegensatz dazu, wenn das Verb erst am Schluss des Satzes erscheint und der Leser warten muss, bis sich der Satz vollendet. Hier gibt es vor allem auch im Schweizerdeutschen ein paar Eigenheiten bzgl. Satzbau und Verbenbildung.


- Oder Du transkribiert ein ganzes Interview, eine Diskussion oder Ähnliches mit dem Wissen, dass aus der Transkription später einmal Untertitel entstehen sollen. Hier wird zwar meist wörtlich transkribiert, Du solltest Dir aber bzgl. Satzstellung, Verbenbildung etc. jetzt schon bewusst sein, dass die Transkription später in Form von Untertiteln ins Video eingespiesen werden müssen, und entsprechend transkribieren.


Hättest Du ein Video gerne ohne viel Aufwand transkribiert und untertitelt? Dann melde Dich bei mir. Ich übernehme das Ganze gerne für Dich und übertrage die Untertitel direkt in Dein Video.



Zusammenfassende Transkription (z.B. eines Podcasts)


Podcasts stellen zurzeit ein beliebtes Mittel zur Bereitstellung von Content dar. Gerade weil ein Podcast neuerdings auch durch Google indexiert wird, solltest Du auf jeden Fall darum bemüht sein, eine Verschriftlichung oder Zusammenfassung bereitzustellen, die im besten Falle auch SEO-optimiert ist. Durch das Verschriftlichen besitzt Du die Kontrolle darüber, was Google indexiert. Abgesehen davon generierst Du so natürlich zusätzlichen Content für Deine Webseite, Deinen Blog etc. Nicht zuletzt gewährt dies auch denjenigen Nutzern, die den Podcast nicht hören wollen oder können, Zugang zum Content. Siehe hierzu auch die interessanten Ausführungen von https://moz.com/blog/podcast-transcripts.


Wenn Du den Inhalt eines Podcasts sinngemäss wiedergegeben willst, solltest Du Dir zunächst überlegen, ob Du den Text als Zusammenfassung unter dem jeweiligen Podcast zur Verfügung stellen willst und/oder ob er als Skript für mögliche daraus entstehende Artikel etc. dient. Hier ist es Dir überlassen, wie Du an die Transkription herangehst. Du kannst wortgetreu transkribieren oder Dir die wichtigsten Punkte und Stichworte notieren und Dir ein paar Sätze herausschreiben, die Dir dann allenfalls als Zitate dienen. Wenn Du die Transkription nicht selbst machen, sondern jemandem in Auftrag geben möchtest, ist hier sehr viel Spielraum vorhanden. Damit Du am Schluss dennoch zu einem optimales Ergebnis gelangst, solltest Du Dir einige Vorgaben bzgl. Struktur und Anzahl Wörter überlegen und ein entsprechendes Briefing machen.



Transkription Schweizerdeutscher Inhalte


Die Transkription von Schweizerdeutsch zu Hochdeutsch ist sehr aufwändig und kann im Prinzip mit einer Übersetzung gleichgesetzt werden. Wieso beispielsweise die Durchführung eines Interviews oder die Produktion eines Podcasts oder Erklärvideos in der jeweiligen Muttersprache, in diesem Fall Schweizerdeutsch, und eine anschliessende Transkription ins Hochdeutsche in manchen Fällen unbedingt anzuraten ist, erfährst Du hier.


Die Transkription schweizerdeutscher Inhalte ins Hochdeutsche birgt in sich ein paar Schwierigkeiten. Vielfach muss die Satzstellung verändert oder Verben anders gebildet werden. Viele schweizerdeutsche Wörter ähneln ihrem hochdeutschen Pendant in keinster Weise, so dass unbedingt ein Muttersprachler mit der Aufgabe betraut werden sollte.


Erschwerend hinzu kommen die unterschiedlichen schweizerdeutschen Dialekte. Diese sollten vor allem dann berücksichtigt werden, wenn eine schweizerdeutsche Transkription erfolgen soll. Dies kann vor allem im wissenschaftlichen Bereich vonnöten sein, wenn der Dialekt gezielt analysiert werden soll oder die Art und Weise, wie etwas ausgedrückt wird, von grosser Wichtigkeit ist.


Weiterführende Informationen findest Du hier.



Transkription sprachwissenschaftlicher Interviews (Phonologie)


Wenn eine Transkription im Auftrag der Sprachwissenschaft gemacht werden soll, wird dies Internationale phonetische Alphabet (IPA), halbinterpretative Arbeitstranskript (HIAT) oder Gesprächsanalytische Transkriptionssystem (GAT) genannt. Diese ist ziemlich aufwändig und kostenintensiv. Es werden nicht nur der Inhalt, sondern je nach Methodik auch nonverbale Ereignisse (Gestik, Mimik, Berührung etc.) und paraverbale Ausdrücke (Tonhöhe, Lautstärke, Artikulation etc.) wiedergegeben. Dies dient dazu zu erfassen, wie der Befragte antwortet, sich verhält, bei welchen Themen er ins Stocken gerät etc.


Bist Du Dir unsicher, welche Art der Transkription die richtige für Dich ist, oder willst Du sie mir als Expertin überlassen, und Dir so viele Stunden Arbeit ersparen? Dann melde Dich, ich berate Dich gerne!
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