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  • sandrajoerimann

schaffe Platz - physisch und mental!

Vor nicht allzu langer Zeit habe ich mein langsam steigendes Einkommen darin investiert, Dinge anzusammeln. Ich bin ein kleiner Bücherwurm, und grosse Büchersammlungen, alte Räume voller Büchergestelle besitzen für mich ihre ganz eigene Magie. Meine eigene kleine Büchersammlung mitsamt all meinen Lieblingen war demnach mein ganzer Stolz. Im Laufe der Zeit und aufgrund einer gewissen Faszination für Film hat sich dann nach und nach eine DVD-Sammlung hinzugesellt. Mit ein paar wenigen Ausnahmen habe ich viele der Bücher und DVDs nur einmal gelesen resp. gesehen. Nach regelmässigen Samstagnachmittagsstreifzügen durch die Stadt hat sich schliesslich auch meine Garderobe bis ins nicht mehr Tragbare ausgedehnt.


Irgendwann wurde mir das alles im wahrsten Sinne des Wortes zu viel.


Ich hatte das Gefühl, als lägen all diese Dinge nicht bei mir in der Wohnung, sondern als würde ich sie alle in einem grossen Rucksack auf den Schultern tragen. Als ich dann letztes Jahr tatsächlich für 6 Monate aus dem Rucksack gelebt habe, ist dieses Gefühl extremer geworden. Jeder kleine Gegenstand wog tatsächlich etwas auf meinen Schultern, und jeder Gegenstand benötigte deshalb auch eine gewisse Berechtigung, um sich seinen Platz im Rucksack zu verdienen. Nach meiner Rückkehr hat sich dieses Gefühl irgendwie manifestiert. Nach 4 Umzügen dieses Jahr musste sich jeder Gegenstand seinen Platz im Rucksack resp. in der Wohnung immer wieder neu erkämpfen. Dabei blieben sowohl die DVD- als auch die Büchersammlung (mit Ausnahme der subjektiv von mir selbst gekürten Meisterwerke der Literatur) komplett auf der Strecke resp. im Bücherbrocki. Daraus hat sich dann nach und nach ein kleiner Hang zum Minimalismus entwickelt, ich habe meine Habseligkeiten radikal aussortiert, Störenfriede beerdigt und Ablenkungsquellen ein neues Zuhause gegeben.


Mittlerweile befindet sich - fast - nichts Überflüssiges mehr in meiner Wohnung, und ich vermisse - welch Überraschung - keine einzige meiner DVDS, Christbaumkugeln oder Hundeschlüsselanhänger.


Und nein: dabei halte ich mich nicht an die mittlerweile allseits bekannte "Dinge müssen Freude versprühen" - Strategie. Wie versprühen Dinge denn Freude? Wieso ist Freude an Dingen denn überhaupt das Ziel? anyway, das funktioniert für mich nicht.


Ich bin mir jedoch bewusst geworden, dass, je mehr Dinge ich in meinem Leben loswerde, desto mehr Raum ich mir für meine Gedanken schaffe.


Mein Gedächtnis ist wie meine Rumpelkammer ist wie meine Wohnung.


Wenn ich die Rumpelkammer resp. meine Wohnung aufräume und entmiste, räume ich auch mein Gedächtnis auf und schaffe Raum für neue Gedanken, so dass die Kreativität wieder fliessen kann. Das ist mir schon ein paarmal zum Verhängnis geworden, wenn ich für eine Prüfung lernen sollte und dann zuerst die komplette Wohnung putzen, sortieren und den Balkon einshampoonieren musste, bevor ich mich dem Prüfungsstoff widmen konnte. Nein, das war keine Ausrede, um die Lernphase so weit wie möglich hinauszuzögern, diese Vorgehensweise hat mir tatsächlich geholfen.


Mein Sympathisieren mit dem Minimalismus ist also vor allem als Ergebnis aus zwei Prozessen entstanden: einerseits durch Hinterfragen einer Mentalität, die sich mit dem Satz "mehr Dinge, mehr Leben" oder "mehr Dinge, besseres Leben" zusammenfassen lässt, andererseits durch die Erkenntnis, dass zu viele Dinge einen blockieren, auf den Schultern lasten und so die Bewegungsfähigkeit einschränken und die eigene Kreativität bremsen.


Baue die hohen Wände um dich herum ab, die dir die Sicht nehmen, und schaffe Raum für dich und deine Gedanken, deine Kreativität und alles, was du in deinem Leben erschaffen möchtest.

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