die eigene Kreativität entdecken und ihr den Raum lassen, den sie benötigt

Ich habe mich eigentlich nie als sonderlich kreativen oder in irgendeinem Bereich ausserordentlich begabten Menschen wahrgenommen. Ich habe nie ein Instrument beherrscht, kann nicht singen, ja ich kann nicht einmal pfeifen. Talentfrei habe ich das damals genannt. Das Schreiben hat - als etwas, das mir auch im schulischen Umfeld von Nutzen war, und vielleicht gerade deshalb - für mich nicht gezählt.


Ich bin ein sehr strukturierter, organisierter und analytisch denkender Mensch, und lange habe ich kreatives Denken und künstlerisches Schaffen mit einer zwingend existierenden Künstlerseele und einem Dasein gleichgesetzt, das, so würde ich behaupten, obwohl ich vielleicht nach aussen manchmal gegenteilig wirken mag, mir zum grössten Teil nicht entspricht.


Seit ich mich im Zuge meiner Selbständigkeit mit meiner vermeintlich nicht im Übermass vorhandenen Kreativität beschäftige, mache mir viele Gedanken dazu, wie ich meine kreativen Ergüsse aus mir hervorlocken, manifestieren und meine kreativen Phasen gezielt aktivieren und erschaffen kann.


Ihr kennt sicher diese Phasen, in welchen ihr extrem emotional seid, euch der Gedanke an einer vor 20 Jahren verstorbenes Meerschweinchen zu Tränen rührt und ihr kurz davor seid, dass euch das Zupflastern eurer Wohnwände mit plötzlich unglaublich tiefgründig erscheinenden spirituellen Sprüchen als vernünftige Idee erscheint. Solchen Momenten kann, muss aber kein Trigger, z.B. ein bestimmtes Lied in einem bestimmten Moment (bei mir war es das letzte Mal ein Aufenthalt am Flughafen), vorausgehen.


Das letzte Mal, als ich einen dieser Tage erlebte, ist mir bewusst geworden, wie sensibilisiert ich für eigene Ideen und Gedankengänge war, und ich habe beschlossen, den Grund dafür, wenn es denn einen gab, hinter mir zu lassen und diese Tage bewusster und gezielt zu nutzen. An diesen besonderen Tagen kann ich mich dann nämlich nicht so gut auf den Alltag konzentrieren, mache mir aber viele Gedanken und habe einfach festgestellt, dass meine Gedanken eine andere Richtung einschlagen als an anderen Tagen, ich sie nicht so gut aufhalten kann oder will und mich einfacher gehen lassen kann.


Mein Ziel ist es, diese aus einem bestimmten emotionalen Zustand entstehenden kreativen Momente gezielter für mich zu nutzen. Das bedeutet zum Beispiel, dass ich nicht den Fehler mache und die Kreativität abwürge, weil in meinem Kalender oder auf meiner to do-Liste das Wort Buchhaltung steht. Gegenteilig bedeutet es auch, dass ich nicht versuche, einen superemotionalen Blogbeitrag zu schreiben, nur weil es mal wieder an der Zeit ist und ich aber in einer Stunde zu einem Treffen in die Stadt muss. Das ist nicht immer so trivial, wie es scheint, und benötigt Selbsterkenntnis, Achtsamkeit und Übung.


Wenn es denn so weit ist, sollte man sich genügend Raum lassen, um sich entfalten zu können und die Gedanken fliessen zu lassen. Sich einen Ort schaffen, mental sowie physisch, an welchem man sich wohlfühlt, entspannen und in sich gehen kann. Sich ein Werkzeug kreieren - das Schreiben, die Malerei oder was auch immer - mit dessen Hilfe man den Gedanken freien Lauf lassen und alles rauslassen kann, was in einem ist und einen beschäftigt. Ob am Ende etwas Brauchbares dabei herauskommt, ist nicht wichtig. Wichtig dabei ist, sich bewusst und gezielt die Zeit zu nehmen, sich auf sich selbst einzulassen.


Wie ist das bei euch? Wie steht ihr in Verbindung mit eurer inneren Kreativität? Habt ihr vielleicht sogar irgendwelche Trigger, die ihr bewusst einsetzt?

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